Blau-Kreuz Gruppe

Dagrun Petershans im Gespräch mit Gerlinde und Rikus Fecht.

Die Blau-Kreuz-Gruppe trifft sich nun seit vielen Jahren im St. Paulus Haus - und ist dennoch vielen fremd. Was genau machen Sie in dieser Gruppe?

GF+RF: Die Aufgabe der Blau-Kreuz-Gruppe ist es, (ehemals) Alkoholabhängige und ihre Angehörigen zu begleiten. Dabei steht das Problem „Alkohol“ und wie ich damit in meinem Leben zurecht kommen kann, im Vordergrund. Jeder, der betroffen ist - ob nun selbst oder als Angehöriger - ist uns willkommen. Auch diejenigen, denen der christliche Glaube fremd ist.

Wieso glauben Sie, dass Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige wichtig sind?

GF: In der Selbsthilfegruppe kann ich reden und mich verstehen alle, weil sie das gleiche erlebt haben. Ich spüre hier: Ich bin nicht alleine.

Wir haben manche, die wenig sagen. Aber auch sie können aus dieser Gruppe etwas mit nach Hause nehmen, was gut war.

RF: Man findet in der Gruppe Verständnis, Trost und Hilfe. Allerdings funktioniert das nur, wenn man ehrlich ist und sich helfen lassen möchte.

Der christliche Glaube ist wichtig für Blau-Kreuz-Gruppen. Wie kann Glaube helfen, wenn jemand alkoholabhängig ist?

RF: Wenn ich nicht weiter weiß und auch keinen erreiche, der mir helfen könnte, kann ich immer noch zu Gott beten. Das ist sehr tröstlich.

GF: Auch das Wissen, dass wir in der Blau-Kreuz-Gruppe für Betroffene und Angehörige beten, hilft und trägt immer wieder Menschen durch Krisen. Wer weiß, was ein Gebet erreichen kann - auch wenn wir Gottes Wege nicht kennen…

Wie läuft ein typischer Abend in Ihrer Blau-Kreuz-Gruppe ab?

GF+RF: Wir beginnen um 19.30 Uhr mit einer kleinen Andacht und einem Gebet. Dann ist Zeit für jeden, seine Sorgen loszuwerden und Probleme auszusprechen. Manchmal arbeiten wir zu verschiedenen Themen. Jeder kann etwas sagen, muss es aber nicht. Wichtig ist uns, dass alles, was in der Gruppe besprochen wird, dort bleibt - bei uns gilt absolute Verschwiegenheit! Für eine gute Atmosphäre sorgen Tee und Kekse. Gegen 21.00 Uhr beenden wir unser Treffen, indem wir gemeinsam das Vater Unser sprechen.

Wenn ich nun einen Angehörigen habe, der alkoholabhängig ist, oder selbst betroffen bin - wie kann ich bei Ihnen Hilfe bekommen? Und warum ist es wichtig, sich Hilfe zu holen - selbst, wenn ich „nur“ Angehöriger bin?

GF+RF: Viele haben Angst, sich Hilfe zu holen. Weil sie fürchten, bevormundet zu werden; weil sie fürchten, von anderen „schief angesehen“ zu werden. Da hilft es, einen Anlaufpunkt zu haben bei jemanden, der selbst betroffen war oder ist - und einem Menschen, der glaubt, dass du es schaffen kannst. Bei uns kann sich jeder melden. Unsere Kontaktdaten siehe im Feld rechts". Auch zu unseren Treffen ist jeder willkommen! Der Weg aus der Sucht ist lang. Die ersten Jahre kommst du jeden Tag an deine Grenzen. Aber es lohnt sich! Es ist toll zu merken: Die Leute sagen: „Schön, dass du wieder da bist.“ Sie setzen wieder auf dich und brauchen dich. Und das ist es wert, sich auf diesen langen Weg zu machen.

Dagrun Petershans

Ansprechpartner

Werner Ennen
Tel.: 04956-406731